Lektion 3


Alle Lebewesen in der materiellen Welt machen unter dem Einfluß der Naturgesetze den Kreislauf von Geburt und Tod durch. Dieses mit vielen Leiden verbundene Sterben und Geborenwerden in verschiedenen Lebensformen kann als der Evolutionsvorgang bezeichnet werden - allerdings ist dieser Vorgang in der westlichen Welt falsch erklärt worden. Darwins Evolutionstheorie, nach der sich der Mensch aus dem Tier entwickelt, ist mangelhaft, denn die Theorie sagt nichts über den umgekehrten Fall aus, nämlich über die Evolution vom Menschen zum Tier.

In der menschlichen Lebensform, die man im Lauf des Evolutionsvorganges erlangt, hat man die Möglichkeit, entweder aufzusteigen oder abzusinken. Wenn man die menschliche Lebensform richtig nützt, hat man die Möglichkeit, sich auf die höheren Planetensysteme zu erheben, wo es tausende Male mehr materielles Glück gibt als auf unserem Planeten; oder man kann Wissen entwickeln, mit dessen Hilfe man sich aus dem Evolutionsvorgang befreien und sein ursprüngliches spirituelles Leben wieder aufnehmen kann. Dies wird Apavarga oder Befreiung genannt.


Materielles Leben wird als Pavarga bezeichnet, denn im materiellen Leben müssen wir fünf verschiedene leidvolle Zustände durchmachen, für die die Buchstaben pa, pha, ba, bha und ma stehen. Pa bedeutet parisrama, überaus harte Arbeit. Pha bedeutet phena oder Schaum vor dem Mund. Manchmal kann man zum Beispiel beobachten, wie einem Pferd Schaum vor das Maul tritt, weil es so schwer arbeitet. Ba bedeutet byarthatli, Enttäuschung. Trotz noch so harter Arbeit erleben wir am Ende eine Enttäuschung. Bha bedeutet bhaya oder Angst. Im materiellen Leben schmort man ständig im lodernden Feuer der Angst, denn man weiß nicht, was als nächstes auf einen zukommt. Der letzte Buchstabe, ma, bedeutet mrtyu oder Tod. Wenn man versucht, diese fünf verschiedenen Zustände zu beseitigen - pa, pha, ba, bha und ma - erlangt man Apavarga, das heißt Befreiung von der Bestrafung durch das materielle Dasein.

Das Wort Tirasclim bezieht sich auf niedere Lebensformen. Als Mensch haben wir natürlich die Möglichkeit, ein höchst angenehmes Leben zu führen. Die Leute im Westen denken, daß der Mensch, der sich komfortablerer Lebensbedingungen erfreut, vom Affen abstammt. Wenn man jedoch sein Leben als Mensch nicht für Svarga oder Apavarga nützt, sinkt man in das Leben von Tieren wie Hunden und Schweinen hinab. Ein vernünftiger Mensch muß sich deshalb entscheiden, ob er zu den höheren Planeten aufsteigen will, ob er sich darauf vorbereiten will, aus dem Evolutionskreislauf befreit zu werden, oder ob er wieder im Evolutionskreislauf durch höhere und niedere Lebensformen wandern will. Wenn man fromm handelt, kann man auf die höheren Planetensysteme erhoben werden oder Befreiung erlangen und nach Hause, zu Gott, zurückkehren, doch andernfalls besteht die Möglichkeit, daß man zu einem Leben als Hund, Schwein usw . absinkt.


In der Bhagavadgita (BG 9.25) wird erklärt: yanti deva - vrata devan. Diejenigen, die auf die höheren Planetensysteme (Devaloka oder Svargaloka) erhoben werden wollen, müssen sich darauf vorbereiten. In gleicher Weise muß man sich auch vorbereiten, wenn man befreit werden und nach Hause, zu Gott, zurückkehren will. Aus diesem Grund ist die Bewegung für Krishna-Bewußtsein der größte Segen für die Menschheit, denn diese Bewegung lehrt die Menschen, wie sie nach Hause, zu Gott, zurückkehren können.

In der Bhagavadgita (BG 13.22) heißt es klar, daß man aufgrund des Kontaktes mit den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur verschiedene Lebensformen erlangt. Je nachdem, in welchem Maße man im gegenwärtigen Leben mit den materiellen Eigenschaften der Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit Gemeinschaft hat, erhält man im nächsten Leben einen entsprechenden Körper. Heutzutage weiß niemand, daß das Lebewesen zwar ewig ist, daß es aber dennoch aufgrund wechselnden Kontaktes mit den materiellen Erscheinungsweisen in verschiedene krankhafte Zustände versetzt wird - nämlich in die verschiedenen Lebensformen. Der moderne Mensch weiß über die Naturgesetze nicht Bescheid.


"Die verwirrte Seele hält sich unter dem Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur für den Ausführenden von Tätigkeiten, die in Wirklichkeit von der Natur verrichtet werden." (BG 3.27)

Jedes Lebewesen ist den strengen Gesetzen der materiellen Natur unterworfen, doch Schurken glauben, sie seien unabhängig. So zu denken ist töricht, denn in Wirklichkeit kann niemand unabhängig sein. Eine törichte Zivilisation ist äußerst gefährlich, und deshalb versucht die Bewegung für Krishna-Bewußtsein den Leuten klarzumachen, daß sie gegen die strengen Gesetze der Natur völlig machtlos sind, und versucht sie davor zu bewahren, ein Opfer Mayas, der mächtigen äußeren Energie Krishnas, zu werden. Hinter den materiellen Gesetzen steht der höchste Lenker, Krishna. Wenn man sich Krishna ergibt (mam eva ye prapadyante mayam etam taranti te), kann man deshalb augenblicklich aus der Gewalt der äußeren Natur befreit werden. Das sollte das Ziel unseres Lebens sein.


ln der menschlichen Lebensform heiraten Männer und Frauen um der Geschlechtsfreude willen, doch die Erfahrung hat gezeigt, daß sie dadurch nicht glücklich werden. Da ich gesehen habe, daß sie genau das Gegenteil erfahren, habe ich aufgehört, materialistische Tätigkeiten auszuführen.
(SB 7.13.26)


Wie Prahlada Maharaja sagt, streben sowohl der Mann als auch die Frau nach sexuellem Genuß; wenn sie dann den Bund der Ehe eingehen, sind sie eine Zeit lang glücklich, aber schließlich kommt es zu Unstimmigkeiten, und als Folge davon lassen sich viele Eheleute scheiden und gehen wieder auseinander. Obwohl jeder Mann und jede Frau tatsächlich darauf versessen ist, das Leben durch geschlechtliche Vereinigung zu genießen, ist die Folge Streit und Leid. Heirat wird empfohlen, um Männern und Frauen eine Konzession zu beschränktem Geschlechtsleben zu geben, wozu auch die Höchste Persönlichkeit Gottes in der Bhagavadgita rät: Sexualität, die nicht gegen die Grundsätze der Religion verstößt.

Jedes Lebewesen ist stets begierig, Geschlechtsfreuden zu genießen, denn das materialistische Leben besteht aus Essen, Schlafen, Sexualität und Furcht. Die Tiere können ihr Essen, Schlafen, ihren Geschlechtsverkehr und ihre Angst nicht regulieren, doch für die Menschen ist es vorgesehen, daß sie ein reguliertes Leben führen, obwohl es ihnen - wie den Tieren - gestattet sein muß, zu essen, zu schlafen, Sexualität zu genießen und sich vor furchterregenden Umständen zu beschützen. In Bezug auf Essen sehen die Veden vor, daß man Prasad (Essen, das Krishna geopfert wurde) zu sich nehmen soll.


"Die Geweihten des Herrn werden von allen Arten von Sünden befreit, da sie Nahrung essen, die zuerst als Opfer dargebracht wurde." (BG 3.13)

Im materiellen Leben begeht man Sünden, besonders beim Essen, und aufgrund von sündhaften Handlungen wird man von den Naturgesetzen gezwungen, zur Strafe einen weiteren Körper anzunehmen. Sexualität und Essen sind lebenswichtig, und deshalb gestatten die Veden diese Tätigkeiten in beschränktem Maße, damit die Menschen die Möglichkeit haben, in Einklang mit den Geboten der Veden zu essen, zu schlafen, Geschlechtsverkehr zu genießen und sich vor Angstsituationen zu schützen und trotzdem allmählich erhoben und aus dem materiellen Dasein befreit zu werden.

Die Veden billigen es also, daß der Mensch heiratet, und dahinter steht der Gedanke, daß Mann und Frau, die in einer Heiratszeremonie den Bund fürs Leben geschlossen haben, einander helfen sollten, im spirituellen Leben Fortschritt zu machen. Leider heiraten besonders im gegenwärtigen Zeitalter Männer und Frauen, um uneingeschränkte sexuelle Freude genießen zu können. Auf diese Weise fallen sie Maya zum Opfer und werden gezwungen, als Tiere wiedergeboren zu werden, um ihre tierischen Neigungen auszuleben.


Die Veden warnen uns deshalb: Man sollte sich nicht wie die Schweine hemmungslos der Sexualität hingeben und auch nicht alles Erdenkliche essen. Ein Mensch sollte Prasad essen, das zuvor dem Herrn geopfert wurde, und sollte sein Geschlechtsleben so einrichten, wie es die Veden vorschreiben. Er sollte sich im Krishna-Bewußtsein betätigen, er sollte sich aus dem schrecklichen materiellen Dasein retten, und er sollte nur schlafen, um sich zu erholen, wenn er nach harter Arbeit müde geworden ist.

Der gelehrte Brahmane sagte, er habe sich von allen fruchtbringenden Tätigkeiten zurückgezogen, weil diejenigen, die nach fruchtbringenden Ergebnissen streben, der Neigung des Mißbrauchs erliegen.



(BG) Bhagavadgita Kapitel 3, Karma-Yoga | 43 Verse
Yoga auf der Grundlage selbstlosen Handelns

(BG) Bhagavadgita Kapitel 9, Rajaguhya-Yoga | 34 Verse
Yoga durch das vertraulichste Wissen

(BG) Bhagavadgita Kapitel 13, Prakrti-Purusha-Vibhaga-Yoga | 35 Verse
Analyse der materiellen Elemente, des Bewußtseins und des Genießenden